Montag, 3. April 2017

Der englische Lord und seine Treibhausblume

"Das Orchideenhaus" von Lucinda Riley

  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: Goldmann; Auflage: Goldmann (3. Mai 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442475546
  • ISBN-13: 978-3442475544
  • Originaltitel: Hothouse Flower

  • Einführung in den Inhalt

    Julia Forrester war eine weltbekannte Pianistin, ehe ihr ein schrecklicher Unfall ihren Mann und ihren geliebten Sohn Gabriel nahm. Sie nimmt sich eine Auszeit in ihrer Heimat in England, wo sie mit der Hilfe ihrer Schwester und einem jungen, frischgebackenen Lord ihr Leben langsam wieder auf die rechte Bahn lenkt.

    Auf dem Gut Wharton Park, dessen neuer Eigentümer der junge Lord Kit Crawford ist, stößt Julia auf die Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und lüftet ein Geheimnis, dass ihre Großmutter Elsie, welcher in den 1940er Jahren als Dienstmädchen und Kammerzofe auf Wharton Park tätig war, bislang für sich behalten hatte.

    Lucinda Riley nimmt ihre Leser mit in die Zeit des zweiten Weltkriegs und lässt uns zuerst die junge Lady Olivia kennenlernen, welche aus Indien nach England kam, um in die Gesellschaft eingeführt zu werden und einen Mann zu finden.
    Gegen den gutaussehenden Harry Crawford, zukünftigen Lord von Wharton Park sehen aber alle anderen alt aus.
    Erst später sollen wir mehr über Harrys Gefühle erfahren und ihn auf seine lebensverändernde Reise in die wunderschöne Idylle Thailands begleiten.


    Meine Meinung

    Auch wenn ich persönlich ein großer Fan von Lucinda Riley bin, muss ich gestehen, dass mich "Das Orchideenhaus" nicht ganz so in seinen Bann gezogen hat, wie ich es mir erhofft hatte. Lediglich die Episoden in den 1940er Jahren habe ich geradezu verschlungen. Wenn es dann auf einmal in der Gegenwart weiterging war das für mich immer eine kleine Enttäuschung, da ich mehr von der Vergangenheit erfahren wollte, denn mir sind auch die Leute dort deutlich schneller und fester ans Herz gewachsen. Zu Julia Forrester und Kit Crawford konnte ich irgendwie keine wirkliche Beziehung aufbauen, dafür erschienen sie mir ein wenig zu stereotypisch. Julias Verhalten und ihre Entwicklung waren schon recht vorhersehbar und Kit war einfach viel zu perfekt, weshalb mir seine Sätze meist etwas gestellt und unecht erschienen.

    Insgesamt ist es aber dennoch ein sehr spannender Roman, der mir ein paar wirklich schöne Lesestunden beschert hat. Besonders eine Figur ist mir wirklich ans Herz gewachsen, die ich hier jedoch noch nicht nennen möchte, um nicht zu viel zu verraten. Sie wird aber sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft eine sehr tragende Rolle spielen, so dass sich der Kreis am Ende schließt und alles ausgeglichen erscheint.

    Meine Bewertung: **** (4 Sterne)

    Mittwoch, 22. März 2017

    Motivation wiederfinden

    Hallo meine lieben Schreiberlinge!

    Kennt ihr das eigentlich auch, wenn ihr eigentlich so viel schaffen, so viel schreiben wollt, aber nach ein paar Sätzen ist euer Motivationslevel bereits auf null gesunken, so dass ihr euch entweder qualvoll dazu zwingen müsst weiterzuschreiben oder es einfach sein lasst?

    Ich muss gestehen in letzter Zeit habe ich das Gefühl ziemlich oft, obwohl ich mir für die Semesterferien eigentlich so viel vorgenommen habe.
    Heute ist tatsächlich der erste Tag seit einer sehr langen, tristen Zeit, in der ich mein Schreibziel für heute bereits vor Mittag erreicht habe und genug Motivation übrig bleibt mich mal wieder meinem Blog zuzuwenden.

    Es gibt drei Dinge auf dieser Welt, oder in meinem Kopf, die mich zwischenzeitlich immer wieder motivieren und zu Höchstleistungen antreiben.

    Nummer 1:

    Das Leben ist kurz!
    Ich weiß, das ist vielleicht schon ein ziemlich ausgenudelter Satz, aber in den Momenten in denen mir die Wahrheit hinter diesem Satz bewusst wird, steigt meine Motivation etwas zu schaffen einfach von Null auf Hundert. Wir haben nur dieses eine Leben und auch wenn ich gerne mehr davon hätte um in jedem ein eigenes Traumschloss zu bauen, muss man ab und zu der Tatsache ins Auge sehen, dass einem auf dieser Erde nur dieses eine Leben geschenkt wird. Zumindest können wir uns im Normalfall im Falle einer Wiedergeburt nicht an unsere vorigen Leben erinnern und wissen so nicht, dass wir schon einmal unseren Träumen nachgegangen sind, welche es auch immer gewesen sein mochten.
    Ich schweife mal wieder ab ... Was ich sagen möchte: Ihr lebt heute! Ihr lebt hier! Ihr lebt jetzt! Und morgen könnte es bereits vorbei sein. Die Frage ist, was ihr wollt, was von euch zurückbleibt, wenn ihr einmal nicht mehr da seid. Reichen euch ein paar angefangene Geschichten oder Notizen? Alle Träume, die ihr nicht verfolgt habt werden mit euch verschwinden. Doch was ihr geschaffen habt wird bleiben. Also schafft euch selbst ein Denkmal, indem ihr etwas schafft, was einzig und allein euer ist.

    Nummer 2:

    Lest!
    Bei mir ist es so, dass wenn ich ein Buch lese, welches mich sofort in seinen Bann zieht, in mir der unbändige Wunsch wächst, ebenfalls so etwas zu schaffen. Gibt es Bücher, die euren eigenen Buchideen ähneln? (Natürlich gibt es sie, ihr müsst nur danach suchen, wenn ihr sie nicht sofort findet!) Dann schnappt sie euch und fangt an zu lesen!
    Die Muse, die sich in diesen Büchern versteckt wird sich befreien und gleich auf euch übergehen. Lasst euch inspirieren und anspornen!

    Nummer 3:

    Wo würdet ihr euch gerne in ein, zwei, drei oder zehn Jahren sehen?
    Vergesst für einen Moment Punt Nummer 1 und überlegt was ihr erreichen wollt, wenn ihr ewig leben könntet. Was habt ihr für Ziele, Träume, was wollt ihr erreichen? Lasst diese Bilder eurer glorreichen Zukunft in euren Köpfen Gestalt annehmen, bis ihr sie so deutlich vor euch seht, dass ihr der festen Überzeugung seid, es könnte gar nicht anders laufen. Und dann fangt an, etwas für eure Ziele zu tun. Beginnt eure Träume zu verwirklichen!

    So, ich hoffe ich konnte euch ein wenig motivieren. Nummer 1 und 3 funktionieren übrigens auch super in allen anderen Lebensbereichen und sind nicht nur aufs Schreiben bezogen. Obwohl Lesen natürlich auch in jeder Lebenslage hilfreich ist. Also nehmt euch diese drei Punkte zu Herzen, denn sie sollten euer Leben auf eine andere Stufe anheben.

    Das war's von meiner Seite für heute. Ich werde mich dann mal an die Erfüllung meiner Träume machen!

    A bientôt!

    Joe

    Dienstag, 13. September 2016

    Glück ist, wenn man dieses Buch ließt


    "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsmann (Gastrezension von Emotionen)

    Dieser Roman war das Buch der Juni Lesechallenge. Die äußere Aufmachung lässt schon einiges über den Inhalt vermuten – ein typischer Frauenroman, Chick Lit wer den englischen Begriff bevorzugt. Das Cover alleine konnte mich nicht ganz überzeugen, dafür war es mir dann doch zu kitschig und bis auf Rosen kann ich Schnittblumen eigentlich gar nicht leiden. Aber der Klappentext versprach komische Verwicklungen und wenn es schon sozusagen als das Buch des Monats ausgewählt wurde, versuchte ich mich zusammenreißen. War ich anfangs noch skeptisch, so wurden diese Zweifel schon bald aus dem Weg geräumt.

    Jens und Isabelle sind zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Isa ist beim Essen äußert wählerisch und Jens ist ein Koch, der nicht nur Knall auf Fall ihr Lieblingsrestaurant übernimmt, sondern der sich auch partout weigert, ihr eine Suppe zu kochen und somit von seiner Speisekarte abzuweichen. Im Schlepptau hat er seine Teenager Halbschwester, die ihm nicht nur den letzten Nerv raubt, sondern auch noch ständig versucht ihn zu verkuppeln. Isabelle, die sich zunächst nur höchst widerwillig mit den beiden anfreundet muss aber schon bald zugeben, dass sich die beiden in ihr Herz schleichen auf eine unauffällige aber effektive Weise …

    Das Buch hält auf jeden Fall was es von außen verspricht. Es ist romantisch, witzig, kitschig und das alles in einer erfrischenden Mischung, genauso wie man sich eine leichte Sommerlektüre wünscht. Mal von den blutrünstigen Krimis und Thrillern Abstand nehmen und in der Hängematte wortwörtlich die Seele baumeln lassen. Das Buch lässt sich relativ gut durchlesen, gerne auch mal am Stück. Isabelle und Jens kommen zwar beide immer wieder vom Weg ab und tun sich schwer glücklich zu werden, aber trotzdem war das Buch von einer angenehmen Länge und fühlte sich nicht künstlich in die Länge gestreckt. Nichts ist Schlimmer als ein Buch, das man sich dünner wünscht und bei dem der Leser den Eindruck gewinnt, der Autor hätte Angst gehabt, das Buch würde sich nicht verkaufen, wenn es eher einem Heftchen gleichkommt.

    Während ich von Isabelle im ersten Kapitel entsetzt war – ich dachte wirklich ich hätte gerade eine zwangsgestörte, durchgeknallte, sture Frau getroffen, die ich nun über hunderte von Seiten aushalten musste. Glücklicherweise legte sich der Eindruck schnell wieder, auch wenn Isabelle meiner Meinung nach ihre alten, jahrelangen Gewohnheiten doch relativ schnell ablegt. Und trotz meiner vorher erwähnten Abneigung gegen Schnittblumen und Tante-Emma-Läden im Allgemeinem konnte mich auch Isabelles Chefin Brigitte – die einen finanziell ziemlich ruinierten Blumenladen führt – für sich gewinnen. Jens Schwester Merle fand ich am Anfang ätzend, aber auch mit ihr bin ich warm geworden, auch wenn sie mit ihren gutgemeinten Absichten für die eine oder andere (wahnsinnig komische und originelle) Szene sorgt, gerade weil sie mal wieder total übers Ziel hinausschießt und sowohl bei Isabelle als auch bei Jens für Verwirrung sorgt.

    „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ ist ein Sommerroman, den man am besten draußen auf einer Picknickdecke liest, oder auch auf der Gartenbank, meinetwegen auch am Strand. Der Roman macht keinen Hehl daraus, dass er eine Romantik-Komödie nach dem 08/15 Schema ist. Allerdings ist mir wesentlich lieber, ich weiß woran ich bin, als dass dann verzweifelt irgendein Mord/Geheimnis/Familiendrama an den Haaren herbeigezogen wird, nur um eine breitere Leserschar anzuziehen. Petra Hülsmann hat auch schon zwei weitere Romane geschrieben und sich damit eine Fanbasis aufgebaut. Sie hat aber nicht nur bereits eine Zielgruppe gefunden, die sie ansprechen will, sondern zugleich auch bewiesen, dass sie die Leser zu begeistern weiß, selbst wenn jedem klar sein dürfte, wie so eine Geschichte ausgeht. Ich denke, ich spoilere an dieser Stelle nicht allzu viel, denn im Normalfall schaut man sich keine Komödien an, die am Ende traurig enden (was ja eigentlich schon per Definition fast nicht geht).

    Was ich kurz sagen wollte und was dann sehr lang geworden ist: Sie versteht ihr Handwerk, das hat sie schon bewiesen.

    Mein Fazit: Ich habe bekommen, was ich mir erwartet habe, eine lustige rührende Geschichte für zwischendurch. Auf Dauer wären mir solche Romane vielleicht doch ein bisschen zu gefühlsduselig (ich glaube ich bin da viel zu realistisch veranlagt) aber als Sommerlektüre für zwischendurch, zwischen zwei actionreiche Bücher geschoben – dafür eignet sich das Buch perfekt! Ich hatte ein paar schöne Lesestunden damit. Die großen, dramatischen Gefühle haben mir ein bisschen gefehlt, mir war das Buch stellenweise einfach zu glatt und zu rosarot mit Zuckerwattewolken. Nichtsdestotrotz ist es gut geschrieben und für Fans der Autorin und romantischer Liebesgeschichten auf jeden Fall ein Muss. Von mir gibt es vier von fünf Sternen und eine Weiterempfehlung.

    Dienstag, 23. August 2016

    Gestik und Körpersprache - Eine Liste für kreative Schreiber

    Hallo meine lieben Schreiberlinge!

    Ich dachte mir, ich stelle für Euch (und auch für mich selbst natürlich) eine kleine Liste mit Gestik und Körpersprache zusammen, mit der ihr euren Charakteren ein wenig mehr Leben einhauchen könnt.

    Denn solange ihr keinen Sci-Fi Roman schreibt, in dem alle Charaktere Roboter sind, die völlig maschinell gesteuert werden und keine menschlichen Eigenschaften besitzen, könnte diese Liste sehr hilfreich für euch sein.
    Denn was wären schon unsere Charaktere ohne körperliche Reaktionen?
    Korrekt, sie wären überhaupt keine Charaktere, sondern leere menschliche Hüllen ohne Seele.
    Und wer von uns kann sich schon mit einem seelenlosen Körper identifizieren? Wollen wir uns nicht alle in den Helden unserer Lieblingsbücher wiederfinden? Oder zumindest so sein, wie sie?
    Das geht tatsächlich nur, wenn es auch überhaupt etwas zum SEIN gibt.

    Gut, ich denke ihr habt verstanden.
    Dann will ich Euch mal nicht weiter auf die Folter spannen, sondern präsentiere stattdessen meine Liste an Gestik und Körpersprache für kreative Schreiber:

    Niedergeschlagen

    Er duckte sich
    Er senkte den Kopf
    Sie ließ den Kopf hängen
    Sie hielt den Kopf gebeugt
    Er verschloss sein Gesicht mit seinen Händen
    Sie ließ den Kopf in ihre Hände fallen

    Aufstrebend

    Er erhob sein Kinn
    Sie straffte ihren Hals
    Sie stemmte ihre Fäuste in ihre Taille
    Er hob seinen Kopf

    Wut

    Er ballte seine Hände zu Fäusten
    Sie ballte ihre Fäuste

    Erschrecken

    Er zuckte vor Schreck zusammen
    Sein Atem beschleunigte sich
    Ihr Atem ging schwer
    Ihr Atem setzte für einen Moment aus
    Seine Brust hob und senkte sich mit schnellen Atemzügen
    Er holte tief Luft
    Sie tat einen scharfen Atemzug
    Sein Atem stockte
    Er keuchte
    Sie hielt vor Schreck die Luft an
    Er atmete hörbar aus
    Er seufzte

    Freude

    Sie lachte
    Sie kicherte
    Er gluckste
    Sie verfiel in ein bitteres Lachen

    Gleichgültigkeit

    Sie zuckte unbeeindruckt mit den Schultern
    Er zuckte halbherzig mit den Schultern
    Sie winkte ab

    Gruß/Abschied

    Sie erhob ihre Hand um ihm zu winken
    Er winkte
    Er reichte ihr die Hand
    Er nahm ihre Hand um sie zu küssen
    Sie reichten sich die Hände
    Sie schüttelten sich die Hände
    Sie hob ihre Hand
    Er erhob seine Hand zum Gruß/Abschied
    Er wedelte aufgeregt mit seinen Händen in der Luft
    Er fuchtelte mit seinen Händen wild durch die Luft

    Was wir noch so alles mit unseren Händen tun

    Sie drückte ihre Handflächen gegeneinander
    Sie warf ihre Hände in die Luft
    Nervös rieb er seine Hände
    Sie spielte mit dem Ring an ihrem Finger
    Er spreizte seine Hände
    Er gestikulierte wild mit den Händen
    Sie klatschte in die Hände
    Er überkreuzte seine Finger
    Sie erhob einen Finger
    Er zeigte
    Sie zeigte ihm den Mittelfinger
    Sie gab ihm beide Daumen nach oben
    Er reichte ihr seine Hand
    Sie legte ihre Hand in die seine
    Er fuhr ihr mit der Hand durchs Haar
    Sie streckte ihre Hände nach ihm aus

    Sie stützte ihre Hände auf ihre Hüften
    Sie versteckte ihre Hände in ihren Taschen
    Sie stütze eine Hand auf die Hüfte

    Und dann gibt es noch die Arme

    Sie verschränkte die Arme
    Er verschränkte die Arme vor der Brust
    Sie umarmte sie selbst
    Er schlang beide Arme um sie
    Er schlang seine Arme um sich selbst
    Sie öffnete ihre Arme so weit sie konnte
    Er bot ihr seinen Arm
    Er streckte den Arm nach ihr aus

    Und natürlich den Kopf

    Er schüttelte den Kopf
    Sie nickte
    Sie senkte den Kopf
    Sie drehte den Kopf
    Sie riss ihren Kopf in Richtung...
    Sie wand ihr Gesicht ab
    Sie sah weg
    Resigniert senkte sie den Kopf

    Dies ist natürlich nur eine kleine Liste, die ich vorerst anlegen wollte. Sie kann natürlich immer weiter ergänzt und verbessert werden. Falls ihr noch eine tolle Idee oder eine Ergänzung habt, schreibt sie mir doch in die Kommentare :-)

    Bis zum nächsten Mal!
    Joe






    Donnerstag, 23. Juni 2016

    Zeitreise und Selbstfindung

    Haus der Erinnerung - Barbara Wood




    Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.01.1988
  • Aktuelle Ausgabe : 01.02.1993
  • Verlag : FISCHER Taschenbuch
  • ISBN: 9783596109746
  • Flexibler Einband 288 Seiten
  • Sprache: Deutsch


  • Inhalt:

    Andrea wächst in Los Angeles fernab ihrer Wurzeln auf und hat ihre leiblichen Verwandten in England schon längst vergessen, als die Nachricht eintrifft, dass ihr Großvater im Krankenhaus liegt und wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben hat.
    Auf den Wunsch ihrer Mutter fliegt sie zu ihrer Großmutter, um der Familie beizustehen. Doch als sie das alte, kalte Haus betritt spürt sie gleich die Schatten der Vergangenheit, die jenes Haus bereits mit ansehen musste.
    Es beginnt eine Beschwerliche Reise durch die Vergangenheit, welche der jungen Frau viel abverlangt und an ihren Kräften nagt. Sie ist eine Gefangene des Hauses und kann es erst wieder verlassen, wenn sie das Geheimnis ihres Urgroßvaters Victor Townsend gelüftet hat.

    Meine Meinung:

    Wer meinen Buchgeschmack kennt weiß, dass ich eigentlich alles faszinierend finde, was mit Geheimnissen und Vergangenheit zu tun hat. Ich begebe mich unglaublich gerne auf spannende Zeitreisen in die Vergangenheit und das ist wohl auch der Grund, weshalb ich dieses Buch ziemlich schnell durchgelesen habe. Ich wollte einfach wissen, was mit Victor und seiner Familie geschehen ist. Warum sich seine Nachfahren über ihn den Mund zerreißen und ihm so grauenvolle Taten anhängen.
    Was mich hingegen ziemlich gestört hat war das Verhalten der Protagonistin. Das ganze Buch ist aus ihrer Sicht geschrieben und da ich mich selbst einfach nicht mit ihr identifizieren konnte war es für mich zwischendurch ziemlich schwer nicht aus der Haut zu fahren. Da waren die Episodenartigen Rückblicke in die Vergangenheit ein wahrer Segen.
    Wenn die junge Andrea nämlich einmal nicht in der Vergangenheit herumgeisterte, empfand ich sie als sehr herzlosen und gefühlskalten Menschen.
    Ihre Familie, die sie nicht mehr gesehen hat, seit sie zwei Jahre alt gewesen war, geht ihr auf gut Deutsch gesagt am Arsch vorbei, auch wenn diese sie liebevoll versorgen. Es tat mir zwischendurch wirklich in der Seele weh, ihre Gedanken zu lesen, wenn ihre Großmutter sie umsorgen wollte oder meinte, Andreas traurige Miene wäre auf die Krankheit ihres Großvaters zurückzuführen. Das alles interessierte sie nämlich kein Stück. Und das wurde so oft betont, dass sie mir als Person immer unsympathischer wurde.
    Das ist leider ein Makel, über den ich nicht hinwegsehen konnte. Ansonsten ist das Buch wirklich ziemlich gut geschrieben!

    Bewertung:

    ***


    Montag, 13. Juni 2016

    Ein ungenießbares Leseerlebnis

    "Maestra" von L.S. Hilton (Gastrezension von Emotionen)


    "Maestra" ist der erste Roman von L.S. Hilton und ich hätte wirklich kein Problem damit, wenn es der letzte bleiben würde. Ich war bereits von "Girl on the Train" von Paula Hawkins sehr enttäuscht und hätte es eigentlich besser wissen müssen - wenn ein Buch sehr gepusht und beworben wird, dann muss der Grund dafür sein, dass das Buch zu schlecht ist um für sich selber zu sprechen. In diesem Fall war das wirklich so. Ich weiß nicht, was die großen Zeitungen für ein Buch rezensiert haben, aber wenn die moderne Frau gerne eine Mischung aus Swinger Club Besucherin und Massenmörderin wäre, dann macht mir das wirklich Angst. Das Problem waren nicht einmal die Inhalte an sich. Aber die Kombination war einfach zu viel für mich! Alles wird in einem Topf geworfen und dann umgerührt - aber das Essen wird ungenießbar.

    Hauptcharaktere
    Das gesamte Buch dreht sich nur um Judith Rashleig, eine Frau, die meiner Meinung nach mit sich selber und ihrem Leben nicht klar kommt. Sie wird von ihrem Chef gefeuert, als sie diesen fast wegen eines Kunstbetrugs hätte hochgehen lassen und nachdem sie sich in einem Nachtclub einen Sugar Daddy gesucht hat, geht es auch schon ab an die Côte d' Azur. Dort geht es dann nicht mehr um die Kunsthändlerin, sondern um Mode, Marken und Luxus und das alles in rauen Maßen. Judith wird sogar in mehrere Morde verwickelt und obwohl ihre Spurenbeseitigung selbst aus Sicht eines Laien wie eine Katastrophe wirkt, kommt sie damit durch und durch halb Europa.
    Ich wurde mit dieser Frau einfach nicht warm, so leid es mir auch tut. Normalerweise habe ich nichts gegen schwarzen Humor, aber ich fand sie einfach sehr oberflächlich und erbärmlich. Sie ist keine starke Frau "die weiß, was sie will" wie Rezensionen der Zeitungen berichten, sie ist vielmehr eine unsichere Frau, die ihr Leben nach einer Tragödie nicht mehr auf die Reihe bekommt. Wobei - es soll ja durchaus Leute geben, die ihren Job verlieren, aber dabei nicht ihren Kopf ...

    Handlung
    Seeehr abenteuerlich muss ich sagen. Spannend, aber doch alles ein bisschen weit hergeholt. Gespickt von Männern, von denen mir vielleicht ein Viertel sympathisch war. Judith jettet zwar um die Welt, aber nachdem sie eine ziemlich blutige Spur hinterlässt, kann sie es sich nicht leisten, sich länger an einem Ort aufzuhalten. Teilweise geht es sehr haarsträubend zu, auch sehr blutig und brutal. Nicht ganz meins, ich fand die meisten Szenen eher abstoßend, vor allem wenn die Leichen beseitigt werden. Die Sexszenen sind meiner Meinung nach nicht erotisch sondern einfach nur kaltherzig und widerlich.

    Fazit
    Das Buch soll, wie ich es verstanden habe, der Beginn einer Trilogie sein. Beim Nachfolger werde ich den Klappentext ganz genau studieren und mich eher auf die Rezensionen verlassen, ehe ich mir überlege, ob sich die Lektüre lohnt. Ich kann das Buch nicht weiterempfehlen und würde es auch ganz sicher kein zweiten Mal lesen. Musste mich eher durchkämpfen. Der Anfang war spannend aber dann verlor die Geschichte immer mehr ihren Realitätsbezug und stützte sich auf abstruse Haarspaltereien.

    Mittwoch, 11. Mai 2016

    Ein fesselnder Generationenroman mit viel Gefühl

    "Die Ungehörigkeit des Glücks" von Jenny Downham (Gastezension von Emotionen)                        

                
    "Die Ungehörigkeit des Glücks" stammt aus der Feder von Jenny Downham. Der Roman handelt von drei Frauen, die das Schicksal zusammenbringt und obwohl Familienbande sie miteinander verbinden, haben sie große Schwierigkeiten, miteinander auszukommen. Caroline hasst ihre Mutter Mary, muss sie aber notgedrungen bei sich aufnehmen, da Marys Demenz immer weiter voranschreitet. Mary freundet sich mit ihrer Enkelin Katie an, die sich immer mehr für die Geschichte von Mary zu interessieren beginnt. Sie fördert Familiengeheimnisse ans Tageslicht, von denen sie nie zu träumen gewagt hätte und merkt, dass sie gar nicht so anders als ihre Großmutter ist. Denn sie beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück.

    Das Buch hat mich total überzeugt. Es wartet mit starken Charakteren auf, die einen sofort in den Bann ziehen. Langsam, langsam taucht man ein in die Welt der Familie Todd-Baxter und merkt schnell, dass nicht alles so ist, wie es zunächst den Anschein hat. 3 Welten, 3 Frauen und jede von ihnen macht ihre Fehler und verirrt sich auf ihrem Lebensweg. Trotzdem ist ihr Leben miteinander verbunden und je mehr sie voneinander loszukommen versuchen, umso mehr werden sie zusammengeschweißt. Das Buch handelt von Selbstfindung im Leben und dem Wunsch akzeptiert zu werden. Das Leben der 3 Frauen war/ist voller Rückschläge, gleichzeitig aber auch voller Lichtblicke. Was zunächst verloren scheint, kann dann doch wieder gerettet werden. Marys Ausflüge in die Vergangenheit haben mir besonders gut gefallen und ich konnte mich auch richtig in die Welt der 50er und 60er Jahre hineinversetzen. Katie hat mit ihrer sexuellen Orientierung zu kämpfen. Sie weiß nicht, ob sie sich eher zu Jungs oder zu Mädchen hingezogen fühlt. Es werden auch Themen wie Mobbing, Behinderungen, Demenz und Abschiebung in ein Pflegeheim aufgegriffen, die immer noch brandaktuelle sind. Jenny Downham verwendet eine sehr peotische Sprache, die sich aber dennoch an alle ihre Charaktere anpasst. Mary redet anders als Katie und die wiederum anders als ihre Mutter Caroline.
    Obwohl das Buch fast 500 Seiten hat, zieht sich die Handlung nie sonderlich in die Länge. Große Action sollte man in dem Buch nicht erwarten, es ist daher vielleicht eher ein Frauenroman, aber dafür ist das Buch auf einer emotionalen Ebene sehr stark und schafft es zwischenmenschliche Probleme gut darzustellen. Dabei bleibt Downham immer realistisch und zeigt, dass Fehler in der Vergangenheit auch in der Gegenwart Folgen haben können.

    Ich empfehle das Buch ganz klar weiter. Man sollte traurige und ruhige Bücher mögen und nicht allzu viel Wert auf eine spannende und actiongeladene Handlung legen. Trotzdem, von mir gibt es 5 von 5 Sternen. Ungewöhnlich und nicht alltäglich ist das Buch auf jeden Fall und das macht auch teilweise seinen Charme aus.